Gezielte Übungen führen in den Prozess

 

Warm-ups sind Körperübungen zum Warmwerden - "warm zu werden" mit sich und mit den anderen TeilnehmerInnen der Gruppe. Sie sind ein Angebot an die Akteure, im Rahmen eines neu beginnenden Arbeitszusammenhanges bei der ersten Begegnung im Raum "anzukommen" - ein Angebot, sich im Raum selbst einen Raum zu geben. Das bedeutet, sich gedanklich aus Fixierungen herauszulösen und für den Augenblick präsent zu sein, sich selbst spürbar zu machen. Das sind grundlegende und notwendige Vorraussetzungen, die es dem Einzelnen erst ermöglichen, sich auf den Prozess des gezielten Wahrnehmens einzulassen und einen gemeinsamen Gruppenprozess einzuleiten.

„Die Konzentration auf den eigenen Körper, die Ablösung der Kopfsprache durch sinnliche und visuelle Kommunikation sensibilisiert(…) das Bewusstsein für die Unterdrückung körperlich-sinnlicher Bedürfnisse, die eine vorwiegend kopflastige Sozialisation und Erziehung mit sich bringt, und die sich in unsicheren, gehemmten und erstarrten Bewegungen manifestiert“ (Ruping).

Der Bezeichnung "warm-up" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die Anwendung dieser Techniken einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Prozessverlauf hat. Jeder Akteur soll in der Wahrnehmung für sich selbst und den anderen sensibilisiert werden. Eine Auswahl von Körperübungen soll schrittweise in diesen Prozess einführen. Eine hohe Feinfühligkeit bei der Spielleitung ist Voraussetzung, um den Einzelnen und die Gruppe mit den Angeboten nicht zu überfordern.

Eine Überforderung würde nicht in den Prozess führen, sondern den Einzelnen hemmen, sich auf sich und den/die anderen einzulassen. Blockaden bei einem Akteur haben gleichzeitig einen Einfluss auf die anderen Teilnehmer der Gruppe, sich dem Prozess zu zuwenden. Zur Erleichterung, sich in den Prozess eingeben zu können, sollte eine bestimmte Linie beim Ablauf der Übungen eingehalten werden. Grundsätzlich gilt daher für den Ablauf der Übungen: „… größtmögliche Konzentration und Ruhe sowie Rücksichtnahme, Gewaltlosigkeit und Toleranz gegenüber den anderen Akteuren.“ (Ruping)

 

Zunächst sollen Übungen angeboten werden, die den eigenen Körper in seiner Beweglichkeit, seinen Prägungen und seinen Ausdrucksmitteln schulen. Das Wahrnehmen der Sinne wird gefördert, Stress und Hemmungen werden abgebaut.

 

In der körperlichen Entspannung wird die Voraussetzung geschaffen, vertrauensvoll im nächsten Schritt auf ein Gegenüber zuzugehen, indem Wahrnehmungsübungen für die Gruppe angeboten werden. Hier können Einzelne miteinander Kontakt aufnehmen. Es folgt ein Angebot für intensivere Partner- oder Kleingruppenübungen, die im letzten Schritt eine Überleitung zum Statuentheater schaffen.

Dabei ist ein behutsames und sensibles Vorgehen beim Anleiten der Körperübungen entscheidend, da nicht jede Gruppe homogen auf ein Spielangebot reagieren muss. Bei der Auswahl der einzelnen Körperübungen sind Kriterien wie Alter, Spielfreude, Bildungsniveau, situative Befindlichkeit und Stimmung der TeilnehmerInnen, thematischer Schwerpunkt der Aktion und die Vorgabe der Räumlichkeiten (Temperatur, Raumgröße, Bodenbeschaffenheit) zu berücksichtigen.